14. Kölner Vergabetage – ein Rückblick auf Recht, Praxis und Zukunft

Am 22. & 23. September 2026 drehte sich bei den 14. Kölner Vergabetagen zwei Tage lang alles um das, was die Vergabewelt aktuell bewegt: neue Rechtsprechung, Reformen, aktuelle Anforderungen und die Frage, wie sich die öffentliche Beschaffung weiterentwickelt. Mehr als 450 Teilnehmende aus ganz Deutschland waren digital dabei.
Den passenden Auftakt bildeten eine Fotoslideshow mit Impressionen aus den vergangenen Jahren und Jazzmusik, bevor Geschäftsführerin Christiane Schäffer die Veranstaltung per Videobotschaft eröffnete. Durch das Programm führte Daniel Schulte, der die Teilnehmenden durch die vier Module begleitete. Auch die Fragen aus dem Teilnehmerkreis waren fester Bestandteil der Veranstaltung: Zahlreiche Beiträge gingen über den Chat ein und wurden von einem zweiköpfigen Redaktionsteam gesammelt, gebündelt und direkt in die Diskussionen mit den Referierenden eingebracht. So blieb der Austausch eng an den Fragen und Themen der Teilnehmenden.

Modul I: Vergaberecht im Wandel
Los ging es mit den aktuellen Entwicklungen im Vergaberecht: Neue Rechtsprechung, Reformen und veränderte Spielräume standen im Mittelpunkt des ersten Moduls. Dabei ging es vor allem um die Frage, was sich 2026 verändert – und was das konkret für die Praxis bedeutet.
Katharina Strauß, Fachanwältin für Vergaberecht bei KUNZ Rechtsanwälte, und André Siedenberg, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Vergaberecht, gaben dazu einen kompakten Überblick und zeigten anhand aktueller Themen und Praxisbeispiele, worauf Auftraggeber und Bieter besonders achten sollten.
Von aktueller Rechtsprechung, Markterkundung und Direktvergabe bis zum Vergabebeschleunigungsgesetz 2026 wurde deutlich: Das Vergaberecht eröffnet neue Möglichkeiten und Spielräume – gleichzeitig bleiben eine fundierte Verfahrenswahl, nachvollziehbare Entscheidungen und eine saubere Dokumentation entscheidend.

Modul II: Best Practice für Auftraggeber
Wie lassen sich Vergabeverfahren strategisch vorbereiten und rechtssicher gestalten? Dieser Frage widmete sich das zweite Modul mit konkreten Best-Practice-Empfehlungen für Auftraggeber.
Mina Sprenger, Rechtsanwältin bei Jung Rechtsanwälte, zeigte, welchen Mehrwert eine gezielte Markterkundung für die Vorbereitung eines Vergabeverfahrens bietet. Susanne Corinth, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Fachanwältin für Vergaberecht und Geschäftsführerin der Kohl Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, nahm anschließend die Gestaltung von Zuschlagskriterien unter die Lupe und zeigte anhand aktueller Entscheidungen und Praxisbeispiele, wo Gestaltungsspielräume liegen und wo rechtliche Grenzen zu beachten sind.
Eine technische Störung sorgte zwischenzeitlich für eine kurze Unterbrechung. Dank der großen Flexibilität von Susanne Corinth konnte ihr Vortrag am 24. September in einem zusätzlichen Live-Termin nachgeholt werden. Die zentrale Botschaft: Eine gute Vorbereitung schafft die Grundlage für rechtssichere Vergabeverfahren – von der Markterkundung bis zur transparenten und nachvollziehbaren Gestaltung der Zuschlagskriterien.

Modul III: Best Practice für Bieter
Am zweiten Veranstaltungstag standen die Bieter im Mittelpunkt. Dr. Christoph Kins, Fachanwalt für Vergaberecht bei abante Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG, nahm die zahlreichen neuen Anforderungen unterhaltsam und pointiert unter die Lupe – von Tariftreue und Vergabebeschleunigung bis zu Lieferketten, Nachhaltigkeit, Cybersecurity und KI.
Kristian Tomczak LL.M., Rechtsanwalt und Fachanwalt für Vergaberecht bei Esch Bahner Lisch Rechtsanwälte Partnerschaft mbB, widmete sich anschließend den typischen Stolpersteinen im Vergabeverfahren: verspäteten Unterlagen, Abweichungen von den Vergabeunterlagen, technischen Problemen und Rügefristen.
Die zentrale Botschaft beider Vorträge: Die Anforderungen werden vielfältiger – deshalb gilt es, Unterlagen sorgfältig zu prüfen, frühzeitig Fragen zu stellen, Fristen im Blick zu behalten und ausreichend Zeit für die Angebotsabgabe einzuplanen.

Modul IV: Zukunft der Vergabe
Zum Abschluss ging der Blick nach vorn: Wie verändert KI die Vergabepraxis – und welche Herausforderungen und Chancen bringt die Cloud-Beschaffung mit sich?
Maximilian Twelker, VP Commercial bei Reiner AI, zeigte anhand der Bau- und Planungsbranche, wie sich KI vom Chat über Assistenten bis hin zu eigenständig arbeitenden KI-Agenten entwickelt. Sein Fazit: „Der Chat ist nur der Anfang.“
Guido Bormann, Partner und Fachanwalt für Vergaberecht bei Bird & Bird LLP, und Lisa Marie Merkel, Rechtsanwältin bei Bird & Bird LLP, widmeten sich anschließend der Cloud-Beschaffung und der Frage, wie sich digitale Souveränität durch eine durchdachte Vergabe- und Vertragsgestaltung sichern lässt.
Die zentrale Botschaft: KI entwickelt sich vom unterstützenden Werkzeug hin zu eigenständig arbeitenden Systemen, während bei der Cloud-Beschaffung Themen wie Datenkontrolle, Interoperabilität und Exit-Szenarien frühzeitig mitgedacht werden müssen.

Zwei Tage voller Austausch und Praxiswissen
Fachwissen trifft auf Praxis und direkten Austausch: Die vielen Fragen aus dem Chat, die Diskussionen mit den Referierenden und die unterschiedlichen Themen der vier Module machten die 14. Kölner Vergabetage auch in diesem Jahr zu einem lebendigen Forum für aktuelle Vergabethemen.
Vielen Dank an alle Referentinnen und Referenten sowie an die mehr als 450 Teilnehmenden für zwei spannende Tage, viele Fragen und den offenen Austausch!
Übrigens: Die Präsentationen, den ausführlichen Veranstaltungsrückblick und weitere Impressionen finden Sie in unserer Dokumentation.
Wir freuen uns schon auf die 15. Kölner Vergabetage!

